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Kateřina Tučková
Die Göttinnen von Schitkowa

Weit oben zwischen den Hügeln der Weißen Karpaten lebten seit jeher Frauen mit außergewöhnlichen Fähigkeiten. Sie konnten heilen und halfen bei allen möglichen Plagen, sie konnten in misslichen Lagen Rat geben und angeblich auch in die Zukunft schauen. Man nannte sie Göttinnen und ihr Können gaben sie von Generation zu Generation weiter. Dora Idesová ist eine der letzten aus dem Geschlecht der Göttinnen von Schitkowa. Deren Kunst hat sie allerdings nie erlernt, sie studierte Ethnographie und entschied sich, über ihre Ahnen zu forschen. Ende der neunziger Jahre entdeckt sie im Archiv des Innenministeriums in Pardubice eine operative Akte der tschechischen Staatssicherheit über einen Feind von innen – ihre Tante, die Göttin Surmena. Dora bringt Licht in das Schicksal der Schitkower Frauen und stellt mit Überraschung fest, dass, obwohl selbst keine Göttin, auch sie Teil einer geheimnisvollen Tradition ist...

Verlag: Host, 2012
ISBN: 978-80-7294-528-3
456 s.

Die Rechte verkauft: Afera, Poland


Gespräch mit Kateřina Tučková über das Buch „Die Göttinnen von Schitkowa“

Was hat Ihr Interesse an den Seherinnen aus den Weißen Karpaten – den sog. Göttinnen von Schitkowa geweckt und anschließend auch zum Verfassen des umfangreichen Buches über sie geführt?
Die Tatsache, dass es sich um ein (der breiteren Öffentlichkeit) unbekanntes Phänomen handelte, das viele Jahrhunderte überdauerte und erst in unlängster Vergangenheit sein Ende fand. Die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Frauen von Schitkowa faszinierten mich, und darüber hinaus ließ sich an ihnen auch die Entwicklung der Heilkunde etwa ab dem 17. Jahrhundert und der Zeit der Hexenverfolgung bis hin zur Zeit des Kommunismus und des Heute zeigen. Darüber hinaus handelte es sich um eine Geschichte starker – und realer, wirklicher – Frauenschicksale. Oder anders gesagt, ein Thema genau für mich.

Welche Archive haben Sie wegen des Buches besucht, welche Materialien von dort geschöpft und was hat Sie am meisten überrascht?
Das Archiv der Geheimpolizei (StB) in Prag und in Kanitz bei Brünn, das Archiv in Ungarisch Hradisch, wohin die Gemeinde Schitkowa fällt, das Freilichtmuseum in Straßnitz, das Museum der Mährischen Slowakei, ich habe mit dem Slowakischen Staatsarchiv in Bratislava korrespondiert und mit dem Staatsarchiv im polnischen Posen, wo die sog. Hexenkartothek aufbewahrt wird, an der auf Himmlers Anweisung (neben vielen anderen) der tschechische Deutsche F. F. Norfolk arbeitete, und viele weitere. Die interessantesten Funde machte ich im Archiv in Ungarisch Hradisch, wo ich Gerichtsakten vom Anfang des letzten Jahrhunderts durchsehen konnte. In den Prozessen mit den Göttinnen kamen dort seltsame Sachen zum Vorschein – zum Beispiel berichtet eine Zeugin von der Schaffung eines sog. Filzlings, einer Figur aus Lehm und den Nägeln oder Haaren eines Menschen, den eine der Göttinnen, die Schwarze Magie betrieb, zu Tode besprach. Das ist ein bisschen angsteinflößend – inmitten der Weißen Karpaten existierte etwas wie Voodoo. Interessant waren auch die Meldungen von Raufereien zwischen den Göttinnen, die im Buch der Vorkommnisse der hiesigen Polizeiwache aufgezeichnet sind…

Welche Zeitzeugen haben Sie persönlich besucht, und was haben Ihnen diese Treffen gebracht?
Im Rahmen der mündlich-historischen Erhebung habe ich eine ganze Anzahl hiesiger Zeitzeugen besucht, ich habe in einer gemieteten Hütte am Berghang gewohnt, an hiesigen Veranstaltungen teilgenommen, wie es die Kopanicer Festlichkeiten und das Erntefest sind, ich bin Pfade durch die Weißen Karpaten gelaufen… Ich habe die Schönheit der dortigen Landschaft und die Eigenart der hiesigen Menschen kennengelernt. Jetzt weiß ich auch, warum es heißt, dass ein Besucher sich in der Mährischen Kopanice lieber nicht raufen soll – Alkohol spielt dort eine große Rolle und einen Fausthieb, sagt man, kann sich dort jeder schnell einfangen. Es scheint, dass der Charakter der hiesigen Leute wirklich ein bisschen mit der Landschaft korrespondiert, wo es immer schwer war, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten; sie ist hart. Nichtsdestotrotz habe ich schließlich dort nicht nur Freunde, sondern auch eine Reihe von Geschichten gewonnen, die mir später im Buch von Nutzen waren. Zu den interessantesten gehört sicher diejenige, dass zu einer der Göttinnen unterm Protektorat ein sehr wichtiger, geheimer Besucher kam, um sich wahrsagen zu lassen. Die hiesigen Leute denken, dass es Heinrich Himmler war. Und er kann es wirklich gewesen sein – schließlich war er der Initiator der Forschungsgruppe SS-Hexen-Sonderkommando, in dessen Arbeitsbeschreibung gerade die Erforschung solcher Frauen, wie es die Göttinnen waren, stand. Übrigens, die Zeit des Protektorats brachte auch viele dramatische Wendungen für die Göttinnen…

Es heißt, Sie seien, als Sie den wirklichen Namen einer der „schwarzen“ Göttinnen, die angeblich auch behexen konnten, in das Buch geschrieben haben, ständig krank gewesen. Es habe aufgehört, als Sie für diese Figur ein Pseudonym wählten. Meinen Sie, dass diese Frauen auch aus dem Jenseits Schaden zufügen können?
Im Scherz habe ich gesagt, dass diese Göttin mich aus dem Grab behext hat. Aber am Ergebnis haben in Wirklichkeit viele Dinge ihren Anteil gehabt, unter anderem auch eine Grippeepidemie. Nichtsdestotrotz habe ich während des letzten Jahres der Arbeit am Buch Tag für Tag an die Göttinnen gedacht, ich war von ihnen wahrhaft besessen, und so habe ich alles, was mir passiert ist, ihnen zugeschrieben. Die Frage, ob ich im Text im Falle der schwarzen Göttin ihren wahren Namen lassen soll oder nicht, hat mich mehr als ein Jahr gequält. Ich habe mich sehr erleichtert gefühlt, als ich das endlich beschlossen hatte. Auch das kann dazu geführt haben, dass ich endlich gesund wurde… eine Art Erleichterung. Auf der anderen Seite, auch wenn das alles (Auto)Suggestion gewesen sein sollte, ist es eine Tatsache, dass die Göttinnen – gute Kennerinnen der menschlichen Seele – gerade mit ihr arbeiteten, und dass ich so an eigener Haut das erlebt habe, was sie gut wussten: wie eng Psyche und Körper verbunden sind.

Das Buch hat in Tschechien großes Aufsehen erregt. Freuen Sie sich darüber?
Ja, sehr. Die Göttinnen verdienen es – endlich erfährt die Öffentlich etwas von ihrer dramatischen Geschichte und auch darüber, wie traurig dieses Phänomen endete. Weil die Göttinnen für das letzte Regime nicht annehmbar waren, schafften die Kommunisten nach jahrelanger Verfolgung die letzte Trägerin einer uralten Tradition in eine psychiatrische Heilanstalt, wo sie starb. Dieses Buch zollt ihr genauso wie anderen Personen, die ihrer Umgebung einst halfen und dafür in der kommunistischen Tschechoslowakei verfolgt wurden, Tribut.